US-Dividenden auf Degiro versteuern: Quellensteuer erklärt
Degiro zieht bei US-Dividenden 15 Prozent Quellensteuer ab, aber ohne Freistellungsauftrag. So trägst du die Steuer richtig in der Erklärung ein.

Degiro behält von deinen US-Dividenden 15 Prozent Quellensteuer ein, nicht 30 Prozent, vorausgesetzt das Doppelbesteuerungsabkommen greift korrekt. Das eigentliche Problem liegt woanders: Degiro ist ein niederländischer Broker und kann in Deutschland keinen Freistellungsauftrag führen. Deinen Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro musst du deshalb selbst in der Steuererklärung nachholen, und die einbehaltene US-Steuer musst du selbst zur Anrechnung bringen. Wer das übersieht, zahlt am Ende faktisch doppelt.
Das betrifft praktisch jeden deutschen Degiro-Nutzer mit US-Aktien oder US-ETFs im Depot. Und es ist ein Punkt, den viele erst bemerken, wenn die erste Steuererklärung nach dem Wechsel von einer deutschen Bank ansteht.
Was ist Quellensteuer bei US-Dividenden?
Quellensteuer ist die Steuer, die ein Staat direkt an der Quelle einbehält, bevor eine Zahlung bei dir ankommt. Bei US-Aktien ziehen US-Unternehmen standardmäßig 30 Prozent jeder Dividende ab, noch bevor der Betrag in deinem Depot landet.
Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den USA senkt diesen Satz für private Portfolioanleger auf 15 Prozent. Voraussetzung ist ein gültiges Formular W-8BEN bei deinem Broker, das deine steuerliche Ansässigkeit in Deutschland bestätigt. Bei Degiro läuft das über den Kontoeröffnungsprozess im Hintergrund, ähnlich wie bei den meisten internationalen Brokern. Verlass dich trotzdem nicht blind darauf: Steht auf deiner Dividendenabrechnung 15 Prozent statt 30 Prozent, war die Ermäßigung aktiv. Steht dort 30 Prozent, lohnt sich ein Blick in deine Kontoeinstellungen.
Warum Degiro den Sparer-Pauschbetrag nicht automatisch anwendet
Bei einer deutschen Bank reicht ein Freistellungsauftrag, und die Bank zieht bis zu 1.000 Euro Kapitalerträge pro Jahr (2.000 Euro bei gemeinsamer Veranlagung) automatisch steuerfrei aus. Kein Formular in der Steuererklärung, keine Wartezeit auf die Erstattung.
Ein Freistellungsauftrag ist ausschließlich bei deutschen Kreditinstituten möglich. Degiro fällt als niederländischer Broker nicht darunter. Praktisch heißt das: Degiro behält auf deine Kapitalerträge gar keine deutsche Abgeltungsteuer ein, weder mit noch ohne Freibetrag. Die gesamte Steuer, inklusive des Sparer-Pauschbetrags, läuft über deine jährliche Steuererklärung. Das ist kein Nachteil im Ergebnis, aber ein zusätzlicher Schritt, den ein Wechsler von einer deutschen Bank leicht übersieht.
| Deutscher Broker | Degiro | |
|---|---|---|
| Freistellungsauftrag möglich | Ja | Nein |
| Sparer-Pauschbetrag automatisch angewendet | Ja, bis 1.000 € / 2.000 € | Nein, nur über die Steuererklärung |
| Abgeltungsteuer-Abzug an der Quelle | Ja, 25 % plus Soli, ggf. Kirchensteuer | Nein |
| US-Quellensteuer-Ermäßigung per W-8BEN | Meist automatisch | Meist automatisch |
| Anrechnung der US-Quellensteuer | Teilweise automatisch | Nur über Anlage KAP |
Wie hoch ist die Steuer insgesamt?
Die deutsche Abgeltungsteuer liegt bei 25 Prozent auf Kapitalerträge, zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Steuer selbst und, falls du kirchensteuerpflichtig bist, 8 bis 9 Prozent Kirchensteuer je nach Bundesland. Effektiv landest du damit bei rund 26,4 Prozent ohne Kirchensteuer und bis zu etwa 28 Prozent mit.
Die 15 Prozent US-Quellensteuer werden auf diese deutsche Steuer angerechnet, nicht zusätzlich erhoben. Bei einer Dividende von 100 US-Dollar zahlst du also am Ende ungefähr den deutschen Satz auf den Gesamtbetrag, nicht 15 Prozent in den USA plus 25 Prozent in Deutschland obendrauf. Diese Anrechnung passiert bei einem ausländischen Broker wie Degiro aber nicht automatisch. Sie muss aktiv beantragt werden, sonst bleibt es bei der vollen deutschen Steuer plus der bereits in den USA einbehaltenen 15 Prozent.
So trägst du die Quellensteuer in der Steuererklärung ein
- Jahresübersicht bei Degiro herunterladen. Sie zeigt die Bruttodividenden pro Position und die im Ausland einbehaltene Steuer getrennt aus.
- Anlage KAP öffnen. Das ist das Formular für Kapitalerträge, die nicht bereits über eine deutsche Bank versteuert wurden.
- Ausländische Kapitalerträge brutto eintragen. Der US-Dividendenbetrag vor Abzug der 15 Prozent gehört hier hin, nicht der Nettobetrag, der bei dir ankam.
- Einbehaltene ausländische Quellensteuer separat angeben. Nur so wird sie auf deine deutsche Steuerschuld angerechnet. Diesen Schritt zu vergessen ist der häufigste Fehler bei Anlegern, die von einem inländischen Broker wechseln, und führt direkt zur Doppelbesteuerung.
- Sparer-Pauschbetrag beantragen, sofern er noch nicht durch andere Konten ausgeschöpft ist.
Die genaue Feldbezeichnung in Anlage KAP kann sich zwischen Steuerjahren leicht ändern. Verlass dich beim Ausfüllen auf das aktuelle Formular oder Elster selbst, nicht auf eine Zeilennummer aus einem älteren Forenbeitrag. Bei der ersten Steuererklärung mit einem ausländischen Broker lohnt sich in der Regel eine kurze Rücksprache mit einem Steuerberater, allein um die Systematik einmal richtig zu setzen.
Was ändert sich ab 2027
Die EU-Richtlinie FASTER (Faster and Safer Relief of Excess Withholding Taxes) muss von den Mitgliedstaaten bis Ende 2026 umgesetzt werden und gilt ab dem 1. Januar 2027. Kernstück ist ein digitales, EU-weit anerkanntes Steueransässigkeitszertifikat, das die Erstattung zu viel gezahlter Quellensteuer über Ländergrenzen hinweg beschleunigen soll. Details in der politischen Einigung der EU-Mitgliedstaaten zu FASTER.
Deutschland begleitet das mit einer eigenen Reform des Meldeverfahrens für Kapitalertragsteuer auf Dividenden (Hintergrund zur MiKaDiv-Reform). Für Degiro-Nutzer heißt das nicht, dass die Anrechnung künftig automatisch läuft. Die Anlage KAP bleibt vorerst der Weg. Der Prozess dahinter soll aber schneller und weniger papierlastig werden.
Häufige Fehler bei Degiro und der Quellensteuer
Der teuerste Fehler ist, die ausländische Steuer in der Steuererklärung gar nicht separat anzugeben, weil sie ja "schon abgezogen wurde". Genau diese Annahme verhindert die Anrechnung.
Der zweite häufige Fehler: den Sparer-Pauschbetrag nicht rückwirkend zu beantragen, weil man ihn von einer deutschen Bank gewohnt war, wo er einfach im Hintergrund lief. Bei Degiro läuft nichts im Hintergrund. Wer thesaurierende ETFs hält, sollte zusätzlich die Vorabpauschale im Blick behalten, eine separate jährliche Steuer auf fiktive Ausschüttungen, die unabhängig davon anfällt, ob der Fonds tatsächlich ausschüttet. Wie du sie selbst berechnest, erklärt unser Artikel zur Vorabpauschale bei Degiro.
Ein Portfolio-Tracker wie Zune.Money zeigt dir über das Jahr summiert, wie viel ausländische Quellensteuer tatsächlich einbehalten wurde und aus welchen Positionen sie stammt, bevor du überhaupt bei Anlage KAP ankommst. Das ersetzt keine Steuerberatung, spart aber die Suche durch zwölf einzelne Dividendenabrechnungen im April.
Wer seine Degiro-Transaktionen bisher nur in Degiros eigener App verfolgt, findet einen strukturierten Einstieg in unserem Leitfaden zum Tracking eines Degiro-Portfolios. Für die breitere europäische Perspektive auf Quellensteuer über mehrere Länder hinweg lohnt sich unser Überblick zur Dividenden-Quellensteuer in Europa. Und wer gerade erst mit einem systematischen Portfolio-Überblick anfängt, findet die Grundlagen in unserem Einstieg ins Portfolio-Tracking.
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Die genauen Auswirkungen hängen von deiner persönlichen Situation ab, konsultiere bei Unsicherheit einen Steuerberater.
Quellen: IRS: Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland-USA, EY: FASTER-Richtlinie, KPMG: Update zur Quellensteuer in Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist die Quellensteuer auf US-Dividenden für deutsche Anleger?
US-Unternehmen behalten standardmäßig 30 Prozent jeder Dividende ein. Mit einem gültigen Formular W-8BEN bei deinem Broker senkt das Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland-USA diesen Satz für private Anleger auf 15 Prozent. Prüfe deine Dividendenabrechnung, um zu sehen, welcher Satz tatsächlich angewendet wurde.
Wendet Degiro den Sparer-Pauschbetrag automatisch an?
Nein. Ein Freistellungsauftrag lässt sich nur bei deutschen Banken hinterlegen, und Degiro ist ein niederländischer Broker. Den Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro (2.000 Euro bei gemeinsamer Veranlagung) musst du selbst über die Anlage KAP in deiner Steuererklärung geltend machen.
Wie trage ich ausländische Quellensteuer in der Steuererklärung ein?
In der Anlage KAP gibst du die ausländischen Kapitalerträge brutto an und trägst die im Ausland einbehaltene Steuer separat ein, damit sie auf deine deutsche Abgeltungsteuer angerechnet wird. Die genaue Feldbezeichnung kann sich zwischen Steuerjahren ändern, prüfe sie im aktuellen Formular.
Zahle ich die US-Quellensteuer und die deutsche Abgeltungsteuer beide voll?
Nein, die im Ausland gezahlte Steuer wird angerechnet, nicht addiert. Ohne die korrekte Angabe in der Steuererklärung bleibt die Anrechnung aber aus, und genau das führt bei Degiro-Nutzern häufig zu einer versehentlichen Doppelbesteuerung.
Was ändert die EU-FASTER-Richtlinie für Anleger bei ausländischen Brokern?
Ab 2027 soll ein digitales EU-weites Steueransässigkeitszertifikat die Erstattung zu viel gezahlter Quellensteuer beschleunigen. Deutschland setzt die Richtlinie parallel über eine Reform des Kapitalertragsteuer-Meldeverfahrens um. Für Degiro-Nutzer wird die Anrechnung damit voraussichtlich einfacher, nicht automatisch.
