MSCI World Klumpenrisiko: Wie viel Mag 7 steckt im Depot?
MSCI World Klumpenrisiko 2026: Sieben US-Konzerne sind 23,6 % des Index, mit S&P-500-ETF wird es mehr. So prüfst du deine ETF-Überschneidung in 5 Schritten.

Das Klumpenrisiko im MSCI World hat 2026 einen Namen: die Magnificent 7. Am 31. August machten sieben US-Konzerne 23,6 % des MSCI World aus, also des Index hinter dem beliebtesten ETF Europas. Wer daneben noch einen S&P-500-ETF bespart, wie viele DEGIRO-Anleger, steckt schnell fast 30 % seines Geldes in diesen sieben Aktien. Das ist ETF-Überschneidung: Zwei Fonds besitzen dieselben Unternehmen, und dein tatsächliches Gewicht in diesen Firmen ist größer, als jede einzelne Zeile im Depot zeigt.
Im August hat die Europäische Zentralbank das Problem beziffert. In einem Beitrag im Blog der EZB schreiben fünf ihrer Ökonomen, private Haushalte im Euroraum hielten rund 440 Milliarden Euro an US-Technologieaktien, überwiegend über Fonds und ETFs. Vielen sei das damit verbundene Konzentrationsrisiko womöglich gar nicht bewusst. Eine Korrektur der aktuellen Bewertungen halten die Autoren für wahrscheinlich.
Unten stehen die aktuellen Zahlen zu den großen Welt-ETFs, eine Rechnung in fünf Schritten für dein eigenes Depot und deine Optionen, falls dich das Ergebnis überrascht.
Was ist ETF-Überschneidung?
ETF-Überschneidung ist der Anteil der Positionen, den zwei Fonds gemeinsam haben. Look-Through heißt: Du schaust in jeden Fonds in deinem Depot hinein, addierst die Unternehmen darin und zählst deine Einzelaktien dazu. Dein Broker zeigt Positionen. Der Look-Through zeigt, an welchen Firmen du beteiligt bist.
Die beiden Sichten können weit auseinanderliegen. Ein MSCI-World-ETF und ein S&P-500-ETF wirken wie zwei verschiedene Produkte, mit zwei Namen und zwei Tickern. Im Inneren bestehen rund 72 % des MSCI World aus großen und mittelgroßen US-Unternehmen, und fast alle davon stecken auch im S&P 500. Der zweite Fonds bringt kaum neue Firmen ins Depot. Er gibt denen mehr Gewicht, die du schon hast.
Das ist in Ordnung, wenn du es so geplant hast. Die meisten haben das nicht.
Wie groß ist das Klumpenrisiko im MSCI World 2026?
Der MSCI World bildet 1.280 Unternehmen aus 23 Industrieländern ab. Das sind die zehn größten laut Factsheet von MSCI mit Stand 31. August 2026:
| Unternehmen | Gewicht im MSCI World |
|---|---|
| Nvidia | 5,56 % |
| Apple | 5,07 % |
| Microsoft | 3,90 % |
| Amazon | 2,74 % |
| Alphabet (A) | 2,15 % |
| Broadcom | 1,82 % |
| Alphabet (C) | 1,69 % |
| Meta Platforms | 1,37 % |
| Micron Technology | 1,18 % |
| Tesla | 1,13 % |
| Top 10 gesamt | 26,61 % |
Zehn von 1.280 Unternehmen halten mehr als ein Viertel des Index. Die IT-Branche allein kommt auf 29,81 %, die USA auf 72,14 %.
Stell die Magnificent 7 jetzt dem Rest der Welt gegenüber. Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon, beide Alphabet-Aktienklassen, Meta und Tesla ergeben zusammen 23,6 %. Die 22 Länder außer den USA kommen auf 27,9 %. Sieben amerikanische Konzerne wiegen fast so viel wie Japan, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Deutschland, die Schweiz, die Niederlande und alle übrigen Industrieländer zusammen.
Nvidia allein (5,56 %) liegt fast gleichauf mit allen japanischen Aktien im Index (5,78 %) und ist größer als ganz Großbritannien (3,53 %). Wer glaubt, mit dem MSCI World auch ordentlich in deutsche Aktien investiert zu sein, sollte wissen: Deutschland teilt sich diese 27,9 % mit allen anderen Ländern außerhalb der USA. Das „World“ im Namen beschreibt, wohin der Index schaut. Wohin das Geld fließt, beschreibt es nicht.
MSCI World vs. FTSE All-World vs. S&P 500
Die meisten ETF-Sparer in Deutschland setzen einen von drei Indizes als Basis ein. So schneiden sie bei der Konzentration ab:
| MSCI World | FTSE All-World | S&P 500 | |
|---|---|---|---|
| Gängige UCITS-ETFs | EUNL, IWDA | VWCE, VWRL | SXR8, CSPX |
| Anzahl Aktien | 1.280 | 3.784 im ETF | rund 500 |
| US-Anteil | 72,1 % | 61,7 % | 100 % |
| Gewicht der Top 10 | 26,6 % | 24,8 % | rund 38 % |
| Anteil Magnificent 7 | 23,6 % | rund 20 % | rund 33 % |
| Anteil Nvidia | 5,6 % | 4,8 % | rund 7,7 % |
MSCI World: Factsheet von MSCI, 31. August 2026. FTSE All-World: Factsheet des Vanguard FTSE All-World UCITS ETF, 31. August 2026. Die Werte zum S&P 500 sind Näherungen für den Spätsommer 2026.
Der FTSE All-World ist etwas weniger konzentriert, weil er Schwellenländer enthält: Taiwan (3,3 %), China (2,7 %) und Korea (2,5 %) nehmen den USA Gewicht ab. Trotzdem landet noch etwa jeder fünfte Euro bei denselben sieben Konzernen. Der Wechsel von EUNL zu VWCE ändert die Dosis. Das Medikament bleibt dasselbe.
MSCI World und S&P 500 kombinieren: die klassische Doppelung
In deutschen Finanzforen und in vielen Sparplänen bei DEGIRO, Trade Republic oder Scalable Capital taucht immer wieder dieselbe Kombination auf: ein Welt-ETF plus „ein bisschen extra“ S&P 500 oder Nasdaq-100. Das fühlt sich nach Streuung an. Zwei Fonds, zwei Indizes.
Rechne eine 50/50-Aufteilung zwischen einem MSCI-World-ETF und einem S&P-500-ETF durch. Die eine Hälfte deines Geldes liegt zu 72,1 % in den USA, die andere zu 100 %. Dein US-Anteil insgesamt: rund 86 %. Die Magnificent 7 kommen auf etwa 28 %, Nvidia allein auf rund 6,6 %.
Ein Nasdaq-100-ETF verschärft das, denn dieser Index ist noch stärker auf dieselben Megakonzerne ausgerichtet. Jeder zusätzliche US-Wachstumsfonds neben einem Welt-ETF erhöht das Gewicht von Firmen, die du längst besitzt.
Was DEGIRO anzeigt und was du tatsächlich besitzt
Nimm ein realistisches DEGIRO-Depot mit 25.000 €:
- 14.000 € in einem MSCI-World-ETF (EUNL)
- 8.000 € in einem S&P-500-ETF (SXR8)
- 1.500 € in Nvidia-Aktien, gekauft als „kleine Wette auf KI“
- 1.500 € in ASML-Aktien
Die Depotübersicht zeigt vier Zeilen. Nvidia steht mit 1.500 € da, also 6 % des Depots. Das wirkt wie eine bescheidene Satellitenposition.
Jetzt schau in die Fonds hinein. Nvidia macht 5,56 % des MSCI-World-ETF aus und rund 7,7 % des S&P-500-ETF:
| Engagement | Was die Depotübersicht nahelegt | Look-Through |
|---|---|---|
| Nvidia | 1.500 € (6,0 %) | 2.894 € (11,6 %) |
| Magnificent 7 | 1.500 € (6,0 %) | rund 7.400 € (29,7 %) |
| USA | nicht angezeigt | rund 19.600 € (78,4 %) |
Die Nvidia-Zeile ergibt sich aus 14.000 € × 5,56 % + 8.000 € × 7,7 % + 1.500 € in Einzelaktien. Die „kleine Wette“ ist fast doppelt so groß, wie ihr Besitzer denkt. Knapp 30 % des Depots hängen an sieben Aktien, fast 80 % an einem einzigen Land. (ASML steckt übrigens auch im MSCI World, mit einem Gewicht, das am Ergebnis nichts ändert.)
Dazu kommt die Währung. Die 19.600 € in US-Aktien verdienen in Dollar, auch wenn der ETF auf Xetra in Euro notiert. Eine Euro-Notierung nimmt dir das Dollarrisiko nicht ab. Was der Wechselkurs in diesem Jahr mit europäischen Depots gemacht hat, zeigt unser Artikel wie EUR/USD-Bewegungen an deiner Rendite nagen (auf Englisch).
Look-Through in 5 Schritten: So berechnest du dein Klumpenrisiko
Spezielle Software brauchst du dafür nicht. Du brauchst deine Positionen, die Factsheets und zwanzig Minuten.
- Liste jede Position mit ihrem aktuellen Wert auf, über alle Broker hinweg. Bei DEGIRO exportierst du dein Portfolio als CSV. Nutzt du zusätzlich Trade Republic, Scalable oder ein Bankdepot, nimm diese Positionen mit dazu, ab 2027 vielleicht auch ein Altersvorsorgedepot. Ein Tracker wie Zune.Money importiert die DEGIRO-CSV mit deinen Transaktionen und zeigt jede Position mit ihrer Gewichtung in einer Liste. Das spart dir diesen Schritt jedes Quartal.
- Öffne das Factsheet jedes ETF. Jeder Anbieter veröffentlicht monatlich ein PDF mit den zehn größten Positionen und der Länderaufteilung. Nimm für alle Fonds denselben Monat, sonst gehen die Zahlen nicht sauber auf.
- Multipliziere den ETF-Wert mit dem Gewicht jedes Unternehmens. 14.000 € × 5,56 % = 778 € Nvidia. Mach das für die fünf größten Namen und für den US-Anteil. Der lange Rest ändert das Bild selten.
- Addiere deine Einzelaktien derselben Unternehmen. Diesen Schritt lassen die meisten aus, und genau hier versteckt sich die Überschneidung am besten.
- Teile durch den Gesamtwert deines Depots und schreib das Ergebnis auf. Leg es neben eine Grenze, die du vorher festgelegt hast, etwa „kein einzelnes Unternehmen über 10 %“ oder „USA unter 70 %“. Ohne Grenze daneben bleibt die Zahl nur eine Zahl.
Wiederhole das einmal im Quartal und jedes Mal, wenn du einen neuen Fonds in den Sparplan nimmst oder eine Aktie kaufst, die schon in deinen ETFs steckt.
Ist Klumpenrisiko überhaupt ein Problem?
Ehrliche Antwort: nicht automatisch.
Ein nach Marktkapitalisierung gewichteter Index besitzt Unternehmen im Verhältnis zu ihrem Börsenwert. Wenn Nvidia 5,56 % wiegt, dann weil die Anleger insgesamt das Unternehmen so bewerten, und diese Konzerne verdienen echtes Geld. Konzentration war auch früher schon hoch und hielt teils jahrelang an. Wer 2023 seinen Welt-ETF verkauft hat, um Big Tech zu „entkommen“, hat einen großen Teil der Gewinne seitdem verpasst.
Es gibt aber Gründe, genau hinzuschauen. Laut EZB-Blog ist der Aktienkurs von Nvidia seit 2022 etwa um das Zwanzigfache gestiegen, und die US-Bewertungen liegen nahe dem Niveau der Dotcom-Zeit. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des MSCI World liegt bei 23,2, gemessen an den zurückliegenden Gewinnen. Sein schlimmster Einbruch, von Oktober 2007 bis März 2009, betrug 57,5 %, und 2022 verlor er in einem Jahr 17,7 %. Wenn die Schwergewichte eines konzentrierten Index fallen, ziehen sie einen großen Teil des Index mit nach unten, weil sie ein großer Teil des Index sind.
Die richtige Frage ist nicht, ob 23,6 % grundsätzlich zu viel sind. Sie lautet: Ist die Zahl in deinem eigenen Depot die Zahl, die du gewählt hast? Im Beispiel oben wollte der Besitzer 6 % Nvidia und hat 11,6 % bekommen. Diese Lücke ist das eigentliche Problem.
Das hier ist keine Anlageberatung. Was folgt, sind Optionen, keine Empfehlungen.
Was tun, wenn die ETF-Überschneidung zu hoch ist?
Die Doppelung streichen. Hast du einen Welt-ETF, bringt ein S&P-500- oder Nasdaq-100-ETF obendrauf Gewicht, aber keine neuen Firmen. Viele Anleger setzen den Sparplan auf den zweiten Fonds aus und lassen den Welt-ETF die Arbeit machen.
Neues Geld umlenken statt verkaufen. Ein Verkauf mit Gewinn kostet in Deutschland Abgeltungsteuer: 25 % plus Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 %, dazu gegebenenfalls Kirchensteuer. Bei Aktienfonds, also den meisten Aktien-ETFs, sind über die Teilfreistellung 30 % der Erträge steuerfrei. Ganz ohne Steuer bleibt der Verkauf nur, solange alle deine Kapitalerträge im Jahr unter dem Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € liegen (2.000 € bei Zusammenveranlagung). Lenkst du stattdessen deine Sparplanraten in den untergewichteten Teil deines Depots, verschiebt sich die Aufteilung ohne steuerpflichtigen Verkauf. Das dauert länger und ist für die meisten trotzdem der bessere Tausch. Laufende Steuern wie die Vorabpauschale auf thesaurierende ETFs fallen so oder so an.
Ergänzen, was fehlt. Europa ist im MSCI World nur ein kleines Stück, Schwellenländer und Nebenwerte deckt der Index gar nicht ab. Ein eigener Fonds für einen dieser Bereiche senkt den US-Anteil. Die bekannte 70/30-Aufteilung aus MSCI World und Emerging Markets folgt genau dieser Logik.
Gleichgewichtete oder Ex-USA-Varianten prüfen. Mehrere Anbieter haben MSCI-World-Varianten im Programm, die jedes Unternehmen gleich gewichten oder die USA weglassen. Schau zuerst auf die Kosten. Gleichgewichtete Fonds haben höhere Gebühren und schichten mehr um.
Eine eigene Obergrenze setzen. Wähle ein oder zwei Regeln und schreib sie auf. Zum Beispiel: kein Unternehmen über 10 % im Look-Through, USA unter 75 %. Die genauen Werte sind weniger wichtig als die Tatsache, dass du sie festlegst, bevor der Markt dich auf die Probe stellt.
Bewusst nichts tun. Einen marktgewichteten Welt-ETF zu halten und seine Konzentration zu akzeptieren, ist eine legitime Entscheidung. Der Unterschied: Jetzt weißt du, was du hältst.
Steuerregeln hängen von deiner persönlichen Lage ab. Sprich mit einer Steuerberatung, bevor du für ein Rebalancing etwas verkaufst.
Die Zahl im Blick behalten
Klumpenrisiko schleicht sich ein. Niemand beschließt, 11 % Nvidia zu besitzen. Du kaufst 2022 einen Welt-ETF, 2024 einen S&P-500-ETF, 2025 ein paar Nvidia-Aktien, und den Rest erledigt der Markt. Jede Entscheidung war für sich vernünftig. Die Summe hat niemand gewählt.
Die Lösung ist, regelmäßig auf die Summe zu schauen. Importiere deine DEGIRO-CSV in Zune.Money, und du siehst jede Position mit ihrer Gewichtung in einer Liste, daneben die Aufteilung nach Sektor und Land. Der Fünf-Schritte-Check dauert dann Minuten statt eines Abends. Der kostenlose Plan umfasst den Import und die Positionsliste.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Klumpenrisiko beim MSCI World?
Klumpenrisiko heißt, dass ein großer Teil deines Geldes an wenigen Positionen hängt. Beim MSCI World sind das die USA mit 72,1 % und die Magnificent 7 mit 23,6 % (Stand 31. August 2026). Der Index streut zwar über 1.280 Unternehmen, doch wenn die zehn größten fallen, bewegt sich mehr als ein Viertel des Index mit.
Wie hoch ist der Anteil der Magnificent 7 am MSCI World?
Am 31. August 2026 kamen Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta und Tesla auf 23,6 % des MSCI World, beide Alphabet-Aktienklassen mitgezählt. Nvidia allein hatte 5,56 % und damit fast so viel wie alle japanischen Aktien im Index zusammen, die auf 5,78 % kamen. Die gesamte IT-Branche lag bei 29,81 %.
Ist VWCE besser gestreut als ein MSCI World ETF wie EUNL?
Etwas. Am 31. August 2026 hatte der FTSE All-World ETF von Vanguard 61,7 % USA und rund 20 % Magnificent 7, der MSCI World 72,1 % und 23,6 %. Der Unterschied kommt vor allem aus Schwellenländern wie Taiwan, China und Korea, die im MSCI World fehlen. Die großen US-Konzerne dominieren trotzdem beide Indizes.
Ist es sinnvoll, MSCI World und S&P 500 zu kombinieren?
Das hängt von deinem Ziel ab, aber du solltest wissen, was die Kombination bewirkt. Der S&P-500-ETF bringt kaum neue Unternehmen ins Depot, er erhöht nur das Gewicht der US-Konzerne, die du schon hast. Bei 50/50 liegst du bei rund 86 % USA statt 50 %. Ist das gewollt, passt es. Sonst reicht ein Fonds.
Wie oft sollte ich meine ETF-Überschneidung prüfen?
Für die meisten langfristigen Anleger reicht einmal im Quartal. Indexgewichte ändern sich langsam, außer nach einer starken Rally weniger großer Aktien. Prüf zusätzlich, wenn du einen neuen ETF in den Sparplan aufnimmst oder Einzelaktien eines Unternehmens kaufst, das schon in deinen Fonds steckt. Genau dann wächst die Überschneidung am schnellsten.


