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Thesaurierend oder ausschüttend: Welcher ETF passt?

Thesaurierend oder ausschüttend? Wie beide ETF-Varianten funktionieren, was Vorabpauschale und Teilfreistellung 2026 bedeuten, mit Rechenbeispiel in Euro.

Zune.Money TeamNovember 8, 202610 min read
Zwei gleiche Glasgefäße auf einem hellen Eichenregal, eines voller Münzen und eines fast leer mit ein paar kleinen Münzstapeln, als Bild für thesaurierende und ausschüttende ETFs

Ein thesaurierender ETF legt die Dividenden, die er erhält, im Fonds wieder an. Ein ausschüttender ETF zahlt sie dir als Geld aus. Positionen, Index und meist auch die Kosten sind identisch. Ob du thesaurierend oder ausschüttend wählst, hängt deshalb an zwei Fragen: Wie besteuert dein Land die beiden Varianten, und brauchst du das Geld?

In Deutschland ist der steuerliche Abstand klein. Die Vorabpauschale sorgt dafür, dass auch thesaurierende Fonds jedes Jahr besteuert werden, und 2026 fällt sie wegen des hohen Basiszinses besonders spürbar aus. In Italien, Spanien und Frankreich (außerhalb eines PEA) gewinnt thesaurierend dagegen klar, weil dort bis zum Verkauf gar keine Steuer anfällt. Die Details folgen, mit einem Rechenbeispiel in Euro.

Was ist der Unterschied zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETFs?

Ein ausschüttender ETF (Dist, D) sammelt die Dividenden der Unternehmen ein, die er hält, und zahlt sie an die Anteilseigner aus, meist quartalsweise oder halbjährlich. Am Ex-Tag fällt der Fondskurs um den ausgezahlten Betrag, und das Geld landet auf deinem Verrechnungskonto.

Ein thesaurierender ETF (Acc, C, 1C) sammelt dieselben Dividenden ein und kauft damit weitere Anteile derselben Unternehmen. Auf deinem Konto kommt nichts an. Der Fondskurs steigt einfach etwas schneller als bei der ausschüttenden Variante.

Viele bekannte Fonds gibt es in beiden Varianten. Das bekannteste Paar ist der Vanguard FTSE All-World: VWRL (IE00B3RBWM25) schüttet aus, VWCE (IE00BK5BQT80) thesauriert. Gleicher Index, dieselben rund 4.000 Unternehmen, gleiche TER. Nur der Umgang mit den Dividenden unterscheidet sich.

Thesaurierend (Acc)Ausschüttend (Dist)
DividendenWerden im Fonds wieder angelegtWerden dir als Geld ausgezahlt
Steuer auf DividendenMeist bis zum Verkauf aufgeschoben (je nach Land)Meist im Jahr der Auszahlung fällig
Kosten der WiederanlageKeineOrdergebühr bei jeder Wiederanlage
CashflowKeinerRegelmäßiges Einkommen
AufwandGeringDividenden erfassen und erklären

Zahlen thesaurierende ETFs trotzdem Steuer auf Dividenden?

Ja, auf Fondsebene. Das ist das häufigste Missverständnis.

Bevor eine Dividende beim Fonds ankommt, behält das Heimatland des Unternehmens Quellensteuer ein. Ein in Irland aufgelegter ETF zahlt nach dem Abkommen zwischen Irland und den USA 15 % auf US-Dividenden, egal ob Acc oder Dist. Diese 15 % kannst du in keinem Fall zurückholen, weil der Fonds sie gezahlt hat und nicht du. Wie das anders läuft, wenn du US-Aktien direkt hältst, zeigt unser Beitrag zur Quellensteuer auf US-Dividenden bei Degiro.

Die Variante ändert nur die zweite Ebene: die Steuer, die dein eigenes Land auf deine Erträge erhebt. Auf dieser Ebene sparen thesaurierende Fonds in den meisten Ländern Geld. In Deutschland ist das weniger der Fall.

Thesaurierend oder ausschüttend in Deutschland: so rechnet das Finanzamt

Kapitalerträge kosten in Deutschland 25 % Abgeltungsteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag auf diese Steuer, zusammen 26,375 % (ohne Kirchensteuer). Für Aktienfonds, also auch für fast jeden Welt-ETF, gilt eine Teilfreistellung von 30 %. Nur 70 % der Erträge sind steuerpflichtig, und die effektive Belastung liegt bei rund 18,5 %.

Ausschüttende ETFs. Jede Ausschüttung wird mit diesen rund 18,5 % besteuert, sobald sie den Sparer-Pauschbetrag übersteigt.

Thesaurierende ETFs. Hier greift die Vorabpauschale, ein unterstellter Mindestertrag. Für 2026 hat das Bundesfinanzministerium mit Schreiben vom 13. Januar 2026 einen Basiszins von 3,20 % festgelegt. Die Rechnung:

  1. Fondswert am 1. Januar × 3,20 % × 0,7 = Fondswert × 2,24 %. Das ist der Basisertrag.
  2. Der Basisertrag ist gedeckelt auf den tatsächlichen Wertzuwachs im Jahr.
  3. Ausschüttungen im selben Jahr werden abgezogen.
  4. Auf das Ergebnis wird die Teilfreistellung angewendet, danach die Abgeltungsteuer.

Die Vorabpauschale für 2026 gilt erst Anfang 2027 als zugeflossen. Dein Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € (2.000 € bei Zusammenveranlagung) wird zuerst verbraucht.

Ein Beispiel: Ein thesaurierender Welt-ETF ist am 1. Januar 2026 genau 20.000 € wert und steigt im Jahr um mehr als 448 €. Der Basisertrag beträgt 20.000 € × 2,24 % = 448 €. Nach 30 % Teilfreistellung bleiben 313,60 € steuerpflichtig, das sind 82,71 € Steuer, sofern der Pauschbetrag schon aufgebraucht ist.

Jetzt der Punkt, den viele übersehen. Hätte derselbe Betrag in der ausschüttenden Variante gesteckt und 2 % ausgeschüttet, also 400 €, wären diese 400 € steuerpflichtig. Weil die 400 € unter dem Basisertrag von 448 € liegen, fällt auch beim ausschüttenden ETF eine kleine Vorabpauschale an, nämlich auf die Differenz von 48 €. In beiden Fällen versteuerst du 2026 also rund 448 € Ertrag. Deutsche Anleger zahlen auf thesaurierende Fonds fast so viel Steuer, als würden sie ausschütten. Der Unterschied schrumpft für die meisten Depots auf einen Rundungsfehler.

Bei Degiro kommt ein praktischer Punkt dazu. Als niederländischer Broker behält Degiro keine deutsche Steuer ein, auch nicht auf die Vorabpauschale. Du rechnest sie selbst aus und trägst sie in die Anlage KAP-INV ein. Wie das Schritt für Schritt geht, steht in unserer Anleitung, die Vorabpauschale bei Degiro selbst zu berechnen.

Es bleibt ein kleiner Vorteil für thesaurierend. Der Teil des Wertzuwachses über dem Basisertrag wird erst beim Verkauf besteuert, und du sparst die Ordergebühr für jede Wiederanlage. Mehr steckt in Deutschland nicht dahinter.

Thesaurierend oder ausschüttend in anderen Ländern

Steuerregeln ändern sich oft, und deine persönliche Lage zählt. Sieh die Tabelle als Landkarte, nicht als Beratung, und kläre Details mit einer Steuerberatung.

LandAusschüttender ETFThesaurierender ETFÜblicher Vorteil
DeutschlandRund 18,5 % auf Ausschüttungen (nach 30 % Teilfreistellung)Jährliche Vorabpauschale, dann Steuer beim VerkaufKlein, leicht für Acc
Italien26 % auf jede Ausschüttung26 % erst beim VerkaufThesaurierend
Spanien19 % bis 30 % auf jede Ausschüttung19 % bis 30 % erst beim VerkaufThesaurierend
Frankreich (CTO)31,4 % Pauschalsteuer auf jede Ausschüttung31,4 % erst beim VerkaufThesaurierend
Frankreich (PEA)Bleibt im PEA, nach 5 Jahren keine EinkommensteuerGleichKaum Unterschied
NiederlandeBox 3 besteuert das Gesamtvermögen, nicht die AuszahlungGleichFast keiner
Belgien30 % Quellensteuer auf Ausschüttungen, 0,12 % BörsensteuerKeine jährliche Steuer, aber bis zu 1,32 % Börsensteuer pro OrderHängt vom Fonds ab

Einige Punkte passen nicht in die Tabelle:

Italien. Gewinne aus ETFs zählen als redditi di capitale. Du kannst sie also nicht mit Verlusten aus Einzelaktien verrechnen. Das macht den Steueraufschub wertvoller, weil sich die Rechnung am Ende nicht abmildern lässt.

Spanien. Anders als Indexfonds können im Ausland gelistete ETFs nicht per traspaso steuerfrei gewechselt werden. Jeder Wechsel ist ein Verkauf. Ein thesaurierender ETF schiebt die Steuer trotzdem auf, solange du ihn hältst.

Frankreich. Die Pauschalsteuer (PFU) stieg 2026 nach einer Erhöhung der CSG von 30 % auf 31,4 %. Im PEA spielt die Wahl eine viel kleinere Rolle, weil die Dividenden im Mantel bleiben. Wie der PEA im Vergleich zu ähnlichen Konten abschneidet, auch zum geplanten deutschen Altersvorsorgedepot, zeigt unser Überblick über steuerfreie Depots in Europa.

Belgien. Die Börsensteuer (TOB) ist der Haken. Thesaurierende Fonds, die in Belgien registriert sind, zahlen 1,32 % pro Order, gedeckelt bei 4.000 €. Ausschüttende Fonds zahlen 0,12 %. Der Satz hängt auch davon ab, wo ein Fonds registriert ist. Seit 2026 gilt außerdem eine neue Kapitalertragsteuer von 10 % auf Verkäufe.

Niederlande. Im aktuellen Box-3-System zahlst du Steuer auf eine unterstellte Rendite deines Gesamtvermögens am 1. Januar. Eine Ausschüttung verschiebt nur Geld vom ETF auf dein Konto, und beides zählt. Die Variante macht fast keinen Unterschied, außer der Fonds ist in den Niederlanden aufgelegt und behält 15 % niederländische Dividendensteuer ein.

Rechenbeispiel: 20.000 € über 20 Jahre in Italien

Dieses Beispiel spielt bewusst in Italien, weil dort der Steueraufschub am deutlichsten wirkt. Nimm 20.000 € in einem Welt-ETF. Angenommen werden 7 % Gesamtrendite pro Jahr, davon 2 % Dividenden und 5 % Kurswachstum. Der Anleger wohnt in Italien und zahlt 26 % auf Erträge und Gewinne. Die Zahlen sind Annahmen für das Beispiel, keine Prognose.

ThesaurierendAusschüttend (Dividenden wieder angelegt)
Wert nach 20 Jahren77.394 €70.209 €
Laufend gezahlte Steuer0 €Oben schon abgezogen (26 % jeder Dividende)
Steuer beim Verkauf14.923 €10.073 €
Netto nach Verkauf62.471 €60.136 €

Der thesaurierende Anleger liegt am Ende 2.335 € vorn, rund 4 %.

Zwei Dinge fallen auf. Erstens ist der Abstand vor dem Verkauf (7.185 €) dreimal so groß wie danach. Ein großer Teil des Vorsprungs ist Steuer, die noch offen ist. Ein Tracker, der nur den Wert vor Steuern zeigt, überzeichnet deinen Vorsprung also. Zweitens unterstellt die ausschüttende Spalte, dass jede Dividende am Tag des Eingangs ohne Gebühr wieder angelegt wurde. Echte Anleger zahlen jedes Mal eine Gebühr und lassen das Geld oft monatelang liegen. Über 20 Jahre und 40 oder mehr Ausschüttungen kann dieser Verlust leicht so groß werden wie der Steuerabstand.

Für deutsche Anleger wäre der Abstand wegen der Vorabpauschale deutlich kleiner. Der zweite Punkt gilt aber genauso. Mit dem Dividendenrechner kannst du durchspielen, wie wieder angelegte Ausschüttungen über die Jahre wachsen.

Wann ein ausschüttender ETF sinnvoller ist

Thesaurierend ist für die meisten Sparer der Standard, aber nicht für alle.

  • Du lebst von den Erträgen. Wer im Ruhestand ist oder FIRE erreicht hat und jedes Quartal Geld braucht, bekommt es automatisch. Kleine Teilverkäufe eines thesaurierenden Fonds gehen auch, kosten aber jedes Mal eine Gebühr und eine Entscheidung.
  • Du nutzt die Ausschüttungen zum Rebalancing. Dividenden aus dem Aktien-ETF können direkt in den Anleihefonds oder eine zurückgebliebene Region fließen. Ein Verkauf ist nicht nötig, und damit auch kein steuerpflichtiger Gewinn.
  • Du wohnst in Deutschland oder den Niederlanden. Steuerlich ist die Wahl hier fast neutral, also darf die persönliche Vorliebe entscheiden.
  • Du hältst einen in Belgien registrierten Fonds. Die TOB von 1,32 % auf thesaurierende Klassen kann nach wenigen Orders mehr kosten, als Jahre an aufgeschobener Dividendensteuer sparen würden.

Manche Anleger sehen auch einfach gern Geld hereinkommen. Das ist ein Grund aus dem Verhalten, kein steuerlicher, und er ist legitim. Eine Ausschüttung pro Quartal macht es leichter, in einem fallenden Markt investiert zu bleiben.

In 5 Schritten entscheiden

  1. Prüf zuerst die Regel deines Landes. Nimm die Tabelle oben als Start und bestätige die Details beim Finanzamt oder einer Steuerberatung.
  2. Frag dich, ob du das Geld in den nächsten 10 Jahren brauchst. Wenn nicht, gewinnt thesaurierend meist, außer in Deutschland, den Niederlanden und Belgien, wo der Abstand klein ist oder sich umdreht.
  3. Vergleich beide Anteilsklassen desselben Fonds. Gleicher Index, aber prüf TER, Fondsvolumen und die Gebühren deines Brokers. Bei DEGIRO sind manche ETFs nur in einer Anteilsklasse in der Kernauswahl.
  4. Lenk neues Geld um, statt zu verkaufen. Wenn du die „falsche“ Variante hältst, verkauf sie nicht. Leite alle neuen Käufe, etwa einen monatlichen Sparplan, in die Variante, die du bevorzugst.
  5. Erfass die Dividenden, die du nie siehst. Thesaurierende Fonds verstecken deine Dividendenerträge im Kurs. Wer wissen will, was sein Depot an Dividende abwirft, braucht ein Werkzeug, das es zeigt.

Sieh, was deine ETFs wirklich ausschütten

Ausschüttende Fonds verteilen kleine Dividendengutschriften über deine Broker-Abrechnungen, thesaurierende verstecken sie ganz. Keine der beiden Varianten zeigt dir deine Gesamtrendite auf einen Blick. Importier deine DEGIRO-CSV in Zune.Money, und du siehst jede Position, jede erhaltene Dividende und deine Gesamtrendite in Euro auf einem Bildschirm. Der kostenlose Plan umfasst den Import, du kannst deine Acc- und Dist-Positionen also in wenigen Minuten nebeneinander vergleichen. Wie der DEGIRO Portfolio Tracker dabei funktioniert, zeigt die Übersichtsseite.

Häufig gestellte Fragen

Spart ein thesaurierender ETF die Quellensteuer auf Dividenden?

Nein. Der Fonds bekommt weiterhin Dividenden von den Unternehmen, die er hält, und diese Dividenden werden an der Quelle besteuert, bevor sie beim Fonds ankommen. Ein in Irland aufgelegter Fonds zahlt 15 % auf US-Dividenden, egal ob er sie wieder anlegt oder ausschüttet. Die Variante ändert nur, was nach dem Zufluss passiert.

Kann ich von ausschüttend auf thesaurierend wechseln, ohne zu verkaufen?

Nein. Die beiden Anteilsklassen sind getrennte Wertpapiere mit eigener ISIN. Ein Wechsel ist also ein Verkauf und ein neuer Kauf, und in Deutschland ist der Verkauf steuerpflichtig. Günstiger ist oft, die alte Position zu behalten und alles neue Geld in die Variante zu lenken, die du bevorzugst.

Was bedeuten Acc und Dist im ETF-Namen?

Acc steht für accumulating, also thesaurierend: Der Fonds legt die Dividenden wieder an. Dist steht für distributing, also ausschüttend: Der Fonds zahlt sie dir aus, meist quartalsweise oder halbjährlich. Manche Anbieter schreiben C oder 1C für thesaurierend und D für ausschüttend. Index und Positionen sind gleich.

Sind thesaurierende ETFs besser für Einsteiger?

Oft ja, weil sie eine Entscheidung wegnehmen. Die Dividenden werden vollständig und ohne Ordergebühr wieder angelegt, und kein Geld liegt ungenutzt auf dem Konto. Wer als Einsteiger einen monatlichen Sparplan auf einen thesaurierenden Welt-ETF anlegt, bekommt den Zinseszinseffekt automatisch. Steuerlich ist der Unterschied in Deutschland klein.

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